Mongolische Kultur

Die traditionelle nomadische Kultur der Mongolen ist weltweit für ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft bekannt. Gäste werden stets mit traditionellen Speisen begrüßt – im Sommer vor allem mit verschiedenen Milchprodukten, im Winter mit Fleischgerichten. Ein charakteristisches Merkmal dieser Gastfreundschaft ist, dass Mongolen ihren Ger (Jurte) selbst in ihrer Abwesenheit unverschlossen lassen, damit Reisende sich ausruhen und von den bereitstehenden Speisen kosten können.

Nomadischer Lebensstil

Seit Jahrhunderten führen die Mongolen einen pastoralen, nomadischen Lebensstil. Das raue Klima und die kurze Vegetationszeit machen die Tierhaltung zum zentralen Bestandteil der Lebensweise, während der Ackerbau eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die Nomaden züchten traditionell fünf Tierarten – Ziegen, Schafe, Rinder (einschließlich Yaks), Kamele und Pferde. Diese liefern Fleisch, Milchprodukte, Transport, Wolle und Leder.

Unter diesen Tieren nimmt das Pferd eine besondere Stellung ein. In Geschichten, Liedern und Legenden symbolisiert es Freiheit, Stärke und Lebensenergie. Außerhalb der Städte ist das Pferd auch heute noch ein wichtiges Transportmittel.

Kinder beginnen mit dem Reiten, sobald sie aufrecht sitzen können. Reitkunst hat einen hohen Stellenwert, und Pferderennen gehören zu den populärsten sportlichen Aktivitäten. Da beim Rennen die Leistung des Pferdes im Vordergrund steht, reiten oft leichte Kinder als Jockeys. Die bedeutendsten Pferderennen finden beim Naadam-Festival im Juli statt – dem wichtigsten nationalen Fest der Mongolei, für das Familien oft tagelang anreisen.

Nomadische Jahreszeitenwanderung

Nomaden ziehen nicht wahllos umher, sondern folgen einer festen saisonalen Wanderung. Jede Familie besitzt bestimmte Weidegebiete, die ihr über Generationen zustehen. Jedes Jahr kehren sie zur gleichen Zeit zu denselben Orten zurück, zum Beispiel vom geschützten Winterlager im Tal hin zu den offenen Weideflächen der Steppe.

Rollenverteilung im Alltag

Die täglichen Arbeiten werden unter den Familienmitgliedern gleichmäßig verteilt. Traditionell übernehmen Männer das Hüten der Herden, die Herstellung von Sätteln, Geschirren und Werkzeugen sowie die Jagd. Frauen melken Kühe, Ziegen und Stuten – aus Stutenmilch entsteht Airag, das Nationalgetränk der Mongolei – und kümmern sich um Kinder, Haushalt und die Herstellung der traditionellen Kleidung, des Deel.

Trotz ihrer Selbstständigkeit sind die Nomaden nicht autark. Seit der Antike betreiben sie regen Handel mit benachbarten Regionen und tauschen tierische Produkte gegen Reis, Tee, Baumwolle, Seide und andere Güter.


Der Mongolische Ger / Jurte

Der Ger ist die traditionelle Behausung der Nomaden – perfekt angepasst an Mobilität, Klima und Lebensweise. Seine Konstruktion ermöglicht einen schnellen Auf- und Abbau sowie Stabilität bei starkem Wind und extremen Temperaturen.

Aufbau und Struktur

Bevor ein Ger errichtet wird, wählen die Nomaden einen flachen und trockenen Untergrund.
Die wichtigsten Elemente des Gers sind:

  • Khana – die klappbaren Scherengitter, die die runde Wand bilden. Je mehr Khana, desto größer der Ger. Ein Standard-Ger besteht aus 4–5 Khana.

  • Tür – sie zeigt traditionell nach Süden, selten nach Südosten.

  • Toono – die runde Dachöffnung in der Mitte, durch die Rauch entweicht und Tageslicht hinein gelangt.

  • Bagana – zwei zentrale Säulen, die den Toono stützen.

  • Uni – lange Holzstangen, die den Toono mit den Khana verbinden und das Dach wie die Speichen eines Rads bilden.

Nachdem die Holzstruktur steht, wird der gesamte Ger mit dicken Filzdecken aus Schafwolle bedeckt und mit Seilen aus Tierhaaren festgebunden. Im Sommer genügt eine Filzschicht, im Winter werden zwei bis drei Schichten verwendet. Zum Schluss wird der Ger von außen mit mehreren Seilen umspannt, um ihn gegen Wind zu sichern.

Belüftung und Schutz

Der untere Rand der Filzwände wird im Sommer rund 30 cm angehoben, um für bessere Luftzirkulation zu sorgen. Im Winter wird am Eingang eine kleine Windschutzhütte aufgebaut, damit kein kalter Wind direkt in die Wohnfläche eindringt.