MONGOLISCHE FRAUEN
Mongolische Frauen spielten – oder man könnte sagen: ertrugen – seit jeher eine zentrale Rolle im oft rauen nomadischen Leben. Sie trugen nicht nur die Verantwortung für Haushalt und Familie, sondern halfen auch bei der Tierhaltung, beim Melken von Schafen und Ziegen, bei der Herstellung von Milchprodukten, beim Scheren von Wolle und beim Gerben von Häuten. Trotz dieser vielfältigen Belastungen waren sie traditionell das stabile Rückgrat der Nomadenfamilie.
Frauen in der sozialistischen Mongolei
In der Zeit der sozialistischen Volksrepublik profitierten Frauen stark von staatlichen Reformen, die theoretisch die Gleichstellung in Bildung, Beruf und Politik garantierten.
Bereits Ende der 1980er Jahre waren viele Frauen in den Arbeitsmarkt eingetreten – vor allem in Bereichen wie Handel, Medizin und Bildungswesen. Die Modernisierung des Gesundheitswesens brachte umfassende medizinische Versorgung, und gegen 1990 waren rund drei Viertel aller Ärzte Frauen.
Der Staat gewährte großzügigen Mutterschaftsurlaub, und ein dichtes Netz von Kinderkrippen und Kindergärten erleichterte erwerbstätigen Müttern den Alltag. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Mädchen in Stadt und Land führte zu einem deutlichen Anstieg der Alphabetisierung und des Zugangs zu weiterführender Bildung. Selbst unabhängige, konservative Schätzungen bescheinigen der damaligen Bildungspolitik bemerkenswerte Erfolge.
Viele Hirtenfamilien förderten bewusst die Ausbildung ihrer Töchter, um ihnen ein leichteres Leben als jenes der traditionellen Nomadenfrauen zu ermöglichen. Bis 1990 waren über 40 % der Absolventen mongolischer Hochschulen Frauen – ein deutlicher Erfolg der staatlichen Gleichstellungspolitik.
Frauen in der postsowjetischen Mongolei
Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 brachte große gesellschaftliche Umbrüche – und sowohl neue Chancen als auch neue Herausforderungen für Frauen. Eine wichtige Entwicklung war die zunehmende Ernennung von Frauen in bedeutende Regierungspositionen. Seit 1999 hatten beispielsweise zwei Frauen das Amt der Außenministerin inne.
Bildung blieb weiterhin ein Schlüssel zum Fortschritt: Heute stellen Frauen über 70 % der Studierenden an mongolischen Hochschulen. Diese große Bildungsbeteiligung gibt Hoffnung auf ihren künftigen Aufstieg in Führungspositionen in Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und staatlichen Institutionen – und darauf, dass sie eine stärkere Stimme in gesellschaftlichen Debatten erhalten.
Gleichzeitig wird die gesellschaftliche Realität komplexer. Viele Frauen in den Städten berichten, dass es an „geeigneten Männern“ mangele – ein Empfinden, das durch demografische Daten gestützt wird. In Ulaanbaatar, wo rund die Hälfte der drei Millionen Einwohner lebt, leben etwa 60.000 mehr Frauen als Männer. Auch an Universitäten und Arbeitsplätzen überwiegen häufig die Frauen.
Mongolische Frauen stehen daher vor einem doppelten kulturellen Druck: Sie sollen eine solide Karriere aufbauen und gleichzeitig möglichst vor dem 29. Lebensjahr heiraten. Bei Frauen, die älter sind, verändert sich häufig die gesellschaftliche Erwartungshaltung.







