Der 12-Jahres-Kalender der Mongolen
Der mongolische 12-Jahres-Kalender wird seit der Antike verwendet. Jedes Jahr ist nach einem der Tiere des tibetischen Tierkreises benannt:
Maus, Kuh, Tiger, Kaninchen, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund und Schwein.
Zusätzlich zu diesem Tierkreiszyklus gibt es einen 10-Jahres-Zyklus, in dem sich die fünf Elemente Eisen, Wasser, Holz, Feuer und Erde jeweils in männlicher und weiblicher Form abwechseln.
Durch die Kombination von 12 Tieren und 5 Elementen entsteht ein vollständiger 60-Jahres-Zyklus (12 × 5), in dem jede Kombination aus Tier und Element nur einmal vorkommt.
Viele Mongolen fragten sich, woher dieser Kalender stammt. So entstand eine traditionelle Erzählung über seine Entstehung.
Die Legende vom Ursprung des Kalenders
Es war einmal, als Gott beschloss, ein neues „Muster der Zeit“ zu erschaffen. Eines Tages kündigte er den Menschen an:
„Ich erschaffe einen Kalender aus zwölf Jahren.
Dafür brauche ich zwölf verschiedene Namen.
Morgen Nachmittag werde ich den ersten zwölf Wesen, die vor mir erscheinen, jeweils ein Jahr widmen.“
Die Tiere erscheinen
Am nächsten Tag erschienen verschiedene Tiere vor Gott. Die ersten elf waren:
Affe, Kuh, Tiger, Kaninchen, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Hahn, Hund und Schwein.
Doch dann kamen gleichzeitig zwei Tiere: die Maus und das Kamel.
Gott war unentschlossen – beide hatte er geschaffen, beide waren wertvoll:
-
Das Kamel war stolz, groß und selbstbewusst.
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Die Maus war klein, ruhig und bescheiden.
Er beschloss, einen Wettbewerb zu veranstalten: Wer am nächsten Morgen als Erster den Sonnenaufgang sehe und es ihm melde, solle den Platz im Kalender erhalten.
Der Wettbewerb zwischen Maus und Kamel
Am folgenden Tag machte sich das Kamel selbstbewusst auf einen hohen Hügel, der nach Osten blickte – dort, wo die Sonne aufgeht. Es war sicher, dass es gewinnen würde.
Die kleine Maus hingegen kletterte heimlich auf den Rücken des Kamels. Doch sie blickte nicht nach Osten, sondern nach Westen.
Als die Sonne aufging, sah die Maus zuerst das Spiegelbild der Sonne auf den fernen Bergen, die sie anschaute.
Sie sprang sofort vom Kamel herunter und lief zu Gott, um von ihrem Sieg zu berichten.
So gewann die Maus den Wettbewerb – und erhielt den ersten Platz im 12-Jahres-Kalender.
Die Rolle des Kamels
Das Kamel jedoch blieb nicht völlig ausgeschlossen.
In der mongolischen Tradition heißt es, dass das Kamel, obwohl es nicht zu den zwölf offiziellen Tieren gehört, alle zwölf Tiere symbolisch repräsentiert.
So bleibt das Kamel ein wichtiger spiritueller Teil des Kalenders – auch wenn sein Jahr nicht existiert.







