TSAM – DER RELIGIÖSE MASKENTANZ DER MONGOLEI
Der Tsam ist ein bedeutendes buddhistisches Ritual und zugleich eine hochentwickelte Theaterkunst der Mongolei. In prachtvoll verzierten Kostümen und geheimnisvollen Masken stellen erfahrene Mönche und Tänzer verschiedene heilige Wesen, Schutzgottheiten, Dämonen, Tiere und Menschen dar. Der Tsam vermittelt buddhistische Lehren durch symbolische Bewegungen, dramatische Szenen und eine beeindruckende visuelle Darstellung.
Ursprung und Einführung des Tsam
Die Tsam-Zeremonie wurde erstmals im 8. Jahrhundert in der Mongolei eingeführt. Dies geschah zu jener Zeit, als der berühmte indische Heilige Lovon Badamjunai in die Mongolei eingeladen wurde, um die Einweihung des ersten tibetisch-buddhistischen Tempels Samya zu würdigen.
Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich der Tsam in der gesamten Mongolei und entwickelte sich zu einer eigenen Kulturerscheinung.
Entwicklung und Vielfalt
Von den etwa 700 Klöstern der Mongolei führten über 500 Klöster ihre eigenen Varianten des Tsam-Tanzes auf. Es existierten traditionell zwei Hauptformen:
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Mil Bogdo – der sprechende Tsam, der heute nicht mehr praktiziert wird
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Geser-Tsam, bekannt für seine prachtvollen Dekorationen und außergewöhnlich kunstvolle Masken
Der Geser-Tsam blieb bis in die Neuzeit lebendig und gilt als die eindrucksvollste Form des mongolischen Tsam.
Der berühmte „Jahar Tsam“
Ein herausragendes Beispiel ist der beliebteste mongolische Tsam:
„Jahar Tsam“ oder „Erleg Nomun Khan Tsam“.
Dieser wurde 1811 erstmals aufgeführt und erzählt die Geschichte, wie der Schüler Yamandag die feindlichen Metallfestungen der Erlegs – dämonischer Wesen – zerstörte und sie dadurch zähmte.
Khüree Tsam – Die große Hauptstadtzeremonie
Unter den großen Tsam-Aufführungen gilt der „Khüree Tsam“ oder „Erleg Nomun Khan Tsam“ als eine der bedeutendsten.
Bei dieser Zeremonie wurden 108 verschiedene Kostüme getragen, darunter 21 Figuren bedeutender Schutzgötter wie:
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Gongor
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Namsrai
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Gombo
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Ochirvaani
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Jamsran
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Lham
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Damdinchoijoo
Der Khüree Tsam wurde jährlich am 9. Tag des letzten Sommermonats in Urga (dem heutigen Ulaanbaatar) aufgeführt und war eine zentrale religiöse und gesellschaftliche Veranstaltung.
Die Choreografie des ersten Tsam-Tanzes nach der Gründung des Erdene-Zuu-Klosters in Karakorum – der alten Hauptstadt von Chinggis Khan – wurde ebenfalls von mongolischen Meistern entwickelt.
Ein Gesamtkunstwerk aus Volkskunst und Religion
Die Tsam-Zeremonie vereint zahlreiche Elemente mongolischer Volkskunst:
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Gesang und Musik
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Masken- und Kostümhandwerk
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Schnitzerei und Malerei
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Rituelle Tanzkunst
Obwohl der Ursprung des Tsam auf indische Traditionen zurückgeht und sich in Tibet weiterentwickelte, erreichte der Tsam in der Mongolei seine höchste Ausprägung. Die mongolischen Varianten – darunter der Geser-Tsam, Nomun Khan-Tsam und Mil Bogdo Tsam – besitzen deshalb eine bedeutende Stellung in der Geschichte der Welt-Theaterkunst.







